Viscri - Ein Dorf in Siebenbürgen

Inmitten der wunderbaren siebenbürgischen Landschaft liegt - recht abseits - das ehemals deutsche Dorf Deutsch-Weißkirch. Seine Geschichte reicht bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts zurück, als in den 1100er Jahren ungarische Siedler eine erste Kirche dort errichteten. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts kamen "Siebenbürger Sachsen" in das Dorf. Im 14. Jahrhundert ist in schriftlichen Quellen erstmals die Alba Ecclesia erwähnt, also die weiße Kirche, die dem Ort ihren Namen gab (ältere deutsche Namensformen sind Vyskirch oder Waiskirch; im Ungarischen heißt der Ort Szászfehéregyháza, was wörtlich übersetzt Sachsen-Weißkirche bedeutet). Zum Schutz gegen Angriffe von Türken oder Tataren befestigten die Dorfbewohner ihre Kirche ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Wehrtürmen und Mauerringen. Die Kirchenburg in Viscri zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Die "Sachsen" blieben in Viscri bis ins 18. Jahrhundert, als sich erste Rumänen dort ansiedelten, unter sich. Noch im 19. Jahrhundert waren zwei Drittel der Dorfbewohner Sachsen. Nach dem Sturz Ceaușescus veränderte sich die Zusammensetzung der Dorfgemeinschaft radikal. Bis auf wenige Personen, verließen die meisten Sachsen ihre Heimat, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. In viele der verlassenen Häuser zogen Rumänen und in noch größerer Anzahl Roma, viele Häuser standen leer. Heute leben circa 350 Roma in Viscri, ungefähr 70 Rumänen und etwa 25 "Sachsen".

 

Der massive Bevölkerungsschwund bedeutete für die Bausubstanz im Ort ein großes Problem. Die sächsischen Bauernhöfe waren bereits mehrere Jahrhunderte alt, nach alten Techniken aus Lehm und Holz erbaut. Den neuen Bewohnern fehlte das Wissen, die Häuser instand zu halten oder gar zu restaurieren. Außerdem hatten die "neuen" Bewohner kaum ein Gespür dafür, nicht einfach in alten Häusern zu wohnen, sondern in erhaltenswerten Baudenkmälern. Mit der Hilfe verschiedener Stiftungen (u. a. Mihai Eminescu Trust) gelang es gerade noch rechtzeitig, das vielfältige Kulturerbe in Viscri und einer ganzen Reihe weiterer Dörfer in Siebenbürgen zu retten. Dabei konzentrieren sich die Maßnahmen nicht nur auf die bauliche Wiederbelebung der Dörfer. Vielmehr wird versucht, auch die Dorfgemeinschaften lebensfähig zu machen. Dazu zählt etwa die Aus- und Weiterbildung von einheimischen Handwerkern in den alten Bautechniken. Vor Ort werden einheimische Handwerker geschult und alte Handwerkstechniken, etwa die Schmiedekunst, bewahrt.

 

Viscri ist inzwischen - obwohl nur über eine 7 Kilometer lange und wirklich holperige Straße zu erreichen, aber eben UNESCO-Weltkulturerbe seit 1999 - von Tagestouristen gut besucht. Übernachtungsgäste gibt es auch (so hat etwa der Mihai Eminescu Trust zwei Sachsenhöfe zu Gästehäusern mit je zwei Betten umgebaut; siehe Bildergalerie), ihre Zahl ist aber überschaubar, nicht zuletzt, weil das Dorf das bleiben möchte, was es ist: ein siebenbürgisches Dorf, in dem die Menschen in erster Linie vom Handwerk und von der Land- und Viehwirtschaft leben. 

Gästehaus Nr. 129

Das Haus Nr. 129 ist eines der beiden Gästehäuser, die der Mihai-Eminesu Trust in Viscri betreibt.

Das Dorf Viscri

Literatur und weiterführende Informationen

Timo Hagen, Deutsch-Weißkirch. Viscri. Unesco-Weltkulturerbe Dorf und Kirchenburg, Regensburg/Potsdam 2009.

 

Werner Schmitz/Sara Dootz, Mit der Sonne steh' ich auf. Eine Bäuerin aus Siebenbürgen erzählt aus ihrem Leben, Münster-Hiltrup 2010.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Viscri

 

Ein Dorf erwacht. Siebenbürgen und der Prinz. Dokumentation über Viscri und andere Orte in Siebenbürgen, die mit Hilfe des Mihai-Eminscu Trust "wiederbelebt" wurden und werden auf You Tube http://www.youtube.com/watch?v=YXAInrZ0N-E